Bücher und Zeitschriften aus dem Jahr 2008, in denen Kurt Hiller thematisiert wird


Hrsg. v. Friedhelm Greis und Stefanie Oswalt.

Dieses mit vielen Fotos aufgelockerte Lesebuch zur Weltbühne enthält 5 signifikante Artikel Hillers.

Internetseite dazu:

www.weltbuehne-lesen.de

Beutins geradezu vernichtende Kritik an Grass untermauert er u.a. mit einigen Aphorismen Hillers zur Notwendigkeit von Utopien.

Zeitschrift für Ideengeschichte, Heft II/2

Hierin ein Artikel von David Kettler über: "Erste Briefe" nach Deutschland: Zwischen Exil und Rückkehr. Darin zitiert der Autor aus Hillers erstem Nachkriegsbrief an Erich Kästner.

Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr.39/40 mit einer ausführlichen und lesenswerten Rezension von Marco Tullney über die bisherigen 3 Bände Schriften der Kurt Hiller Gesellschaft

Armin Strohmeyr: Verlorene Generation. Dreissig vergessene Dichterinnen und Dichter des "anderen Deutschland".

Auf S. 188-200 (mit ganzseitigem Foto) wird in diesem Buch punktuell dargestellt, wieso Kurt Hiller nach 1945 in Vergessenheit geriet. Etwas näher geht der Autor auf Hillers Kontakte mit Klaus Mann ein und wirft auch einige Blicke auf Hillers lyrisches Schaffen.

In dieser Zeitschrift:

Dr. Ruprecht Großmann: Vergessene Juristen: Kurt Hiller - Das Recht über sich selbst S.46-53.

In diesem Artikel würdigt Großmann Hillers Wirken und Verdienste auf juristischem Gebiet. Er resümiert:

"Erstens wird die Homosexualität nicht mehr als eine zur Ausstoßung führende Abart, sondern als eine normale Variante einer umfassend verstandenen Sexualität qualifiziert. Zweitens wird das von Hiller kreierte sexuelle Selbstbestimmungsrecht das grundlegende Prinzip des Sexualstrafrechts. Und drittens wird der von ihm sorgfältig erstellte Katalog der schutzwürdigen Rechtsgüter gewährleistet. Damit ist seine unermüdliche rechtswissenschaftliche und rechtspolitische Arbeit jedenfalls bezüglich der Homosexualität von vollem Erfolg gekrönt."

Utopie kreativ. Hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Heft 212

darin: Wolfgang Beutin: Der Frühexpressionismus Kurt Hillers. Literarische Anfänge und der "Neue Club" (1909-1913), S.485-494

Dieser Artikel ist eine gekürzte Fassung von Wolfgang Beutins Vortrag 2007 in den Hamburger Kammerspielen.

Pankower Vorträge, Heft 115

darin: Wolfgang Beutin: Kurt Hiller - Der Publizist, S.27-36.

Beutin schildert hier mit Bezug zu Hiller die Geschehnisse im Schreckensjahr 1933 und berichtet über Hillers Einschätzung des "Ermächtigungsgesetzes".

Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich, Stefanie Schüler-Springorum: Denkmalsfigur. Biographische Annäherung an Hans Litten 1903-1938.

Dieser mutige Rechtsanwalt stellte 1931 Adolf Hitler als "Zeugen" vor Gericht zur Rede und büßte dafür mit dem Tod im KZ Dachau. Hiller hatte sich in den Exilzeitschriften "Die Neue Weltbühne" und "Sozialistische Warte" vergeblich für Littens Rettung eingesetzt. Im Londoner Exil wohnte Hiller mehrere Jahre in einem Haus mit der Mutter, Irmgard Litten, der Autorin des Buchs "A mother fights Hitler". In dieser Hans-Litten-Biographie werden Hillers Kontakte mit den Littens beschrieben.

Dieses Buch erläutert detailreich alles Wissenswerte rund um Klaus Manns Roman "Mephisto". Im Abschnitt "Rezeption und Wirkung" ist auf S.196/97 ein Brief Kurt Hillers an Klaus Mann veröffentlicht. Hiller genoß die Lektüre dieses Romans sehr und schrieb an Klaus Mann: "Sie haben endgültig aufgehört, Sohn und Neffe zu sein, und sind unanzweifelbar selbst wer, neben den Gestirnen Vater und Onkel kreisend, ohne durch sie verdunkelt zu werden, vor allem: aus eignen Kraftquellen, eignen Lichtes leuchtend."

Der italienische Schwulenforscher Massimo Consoli, kurz nach Erscheinen dieses Buches 2007 verstorben, stellt hier Kurt Hiller als bedeutenden Kämpfer für die Rechte der Schwulen und Lesben vor. Neben einer Einleitung über Hiller und einem Artikel über das sexualwissenschaftliche Institut Magnus Hirschfelds finden sich in dem Buch Hillers Artikel "Zur Frage der Bezeichnung" aus der Zs. "Der Kreis" und "Appell zugunsten einer unterdrückten Varietät des Menschen" aus "Ratioaktiv" in italienischer Übersetzung.

Prof. Manfred Voigts (Potsdam) reprintiert in diesem Buch die Taschenbücher der FWV von 1908 und 1931. Ergänzt wird das Buch über diese anti-antisemitische Studentenorganisation durch Aufsätze, in denen Hillers vor-expressionistische Autorentätigkeit reflektiert wird. Peter Gust schreibt über den 'Neuen Club' und die FWV, Michael Buchholz geht auf Briefwechsel Kurt Hillers mit FWVern ein, Harald Lützenkirchen trägt die verfügbaren Informationen über Hiller als einem der 'Intellektuellen' in der FWV zusammen.

Friedrich Pfäfflin zitiert in diesem Buch aus Hillers Autobiographie dessen erste Begegnung mit Karl Kraus in Berlin und zitiert aus einem Brief Hillers an die Kraus-Archivarin Helene Kann, worin er sein Bedauern artikuliert über den Streit zwischen Kraus und Alfred Kerr, die beide von Hiller sehr geschätzt wurden.

Dieses Buch für den Deutschunterricht aus dem Schöningh-Verlag bringt auf einer Seite eine Stellungnahme Kurt Hillers zu Thomas Manns Novelle. Hiller kritisiert die moralische Enge Manns durch die Schilderung der "Liebe zu einem Knaben, die in einem Alternden seltsam aufspringt" als einem Verfallssymptom. Anschließend an das Zitat werden die Schüler aufgefordert, mit eigenen Worten zu beschreiben, wie Hiller Thomas Manns Novelle aufgenommen hat.

In der "Wissenschaftlichen Buchgesellschaft" erschien Alexandra Gerstners überarbeitete Fassung ihrer Dissertation über aristokratische Elitekonzeptionen bei Walther Rathenau, Bernhard Koerner, Kurt Hiller, Edgar Julius Jung und Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi. Hillers Propagierung eines "Bundes der Geistigen" wird von seinen Anfängen im Literarischen Expressionismus bis in die Zeit der Weimarer Republik hinein verfolgt. Als Resümee konstatiert Alexandra Gerstner, "daß die untersuchten Intellektuellen mit der Suche nach einem 'neuen Adel' die Hoffnung verbanden, den Werten Ganzheit und Persönlichkeit in einer 'entzauberten Welt' Geltung zu verschaffen. Der als 'heroischer Tatmensch' gedeutete 'neue Adlige' war als Führer in eine andere Gesellschaft konzipiert, in der statt funktionaler Differenzierung und dem Leistungsprinzip überindividuelle Merkmale und Persönlichkeitswerte eine harmonische Gemeinschaft stiften sollten." Das knapp 600 Seiten starke Buch wird durch Literaturverzeichnis und Personenregister fruchtbar ergänzt.

Aus Anlaß des 90. Jahrestages der Novemberrevolution in Deutschland fand am 19. September 2008 in der Reihe "Pankower Beiträge" beim Verein "Helle Panke e.V." in Berlin die Tagung "Schriftsteller, Künstler und die Novemberrevolution 1918 in Berlin" statt. Die 8 Vorträge dieser Tagung, davon 4 von Mitgliedern der Hiller-Gesellschaft, sind in diesem Band versammelt.

Thomas Höhle referierte über Heinrich Mann und sein Bonapartedrama "Der Weg zur Macht", Dieter Schiller sprach über Alfred Döblins "November 1918", Jost Hermand aus den USA widmete sich dem Brechtschen Theaterstück "Trommeln in der Nacht", Heidi Beutin thematisierte die Schrift "Der Dichter greift in die Politik" von Ludwig Rubiner, Harald Lützenkirchen stellte "Kurt Hiller und den Politischen Rat geistiger Arbeiter in der Revolution" vor, Corinna Luedtke sprach über Erich Mühsam und trug dabei aus ihrem Roman "Die Nächte mit Paul oder Tag ist anderswo" vor, Wolfgang Beutin referierte über den "Nachruf" von Karl Kraus auf die österreichische Monarchie und Gerhard Wagner las über "Gewalt und Gerechtigkeit in den Schriften Walter Benjamins".

Band LII, 2008

Auf S. 89-108 schreibt Michael Buchholz M.A. über Jakob van Hoddis in der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung. Er hat dazu die verfügbaren Monatsberichte der FWV aus den Jahren um 1908 ausgewertet. Zur Sprache kommen auch eine Resolution Hillers zu mehr intellektueller Arbeit in der FWV und der Austritt einer Reihe von Mitgliedern, die dann den "Neuen Club" gründeten, der die Keimzelle des Literarischen Expressionismus wurde.